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Die Sattlernaht
Die Sattlernaht
Warum ich für einen Gürtel rund 500 Löcher von Hand steche
Meine Nähmaschine sind eine Stechahle und zwei Nadeln. Kein Motor, kein Fußpedal. Ich setze jeden Stich einzeln — mit hochfestem, gewachstem Garn, von beiden Seiten gleichzeitig.
Das dauert. Bei einem High-Style-Gürtel mit durchgehender Randnaht sitze ich mehrere Stunden allein an der Naht. Ich mache das nicht aus Nostalgie, sondern weil das Ergebnis nachweislich hält, wo eine Maschinennaht irgendwann aufgibt.
Sattlerstich — von Hand
Zwei Fäden, die sich in jedem Loch verschlingen
Maschinennaht — Steppstich
Ein Faden hakt sich um den anderen
Der Unterschied, auf den es ankommt
Bei der Maschinennaht läuft ein Oberfaden von oben und ein Unterfaden von unten. Der eine hakt sich um den anderen — mehr passiert nicht. Reißt er an einer Stelle, hat die Naht nichts mehr, was sie hält: Stich für Stich zieht sie sich auf. Das kennt jeder von der Jeans, die an der Innennaht aufgeht.
Beim Sattlerstich führe ich zwei Nadeln durch dasselbe Loch, von beiden Seiten. Die Fäden verschlingen sich im Leder, statt sich nur ineinanderzuhaken. Reißt einer, löst sich genau dieser eine Stich — die Naht daneben hält weiter. Du kannst das Stück reparieren, statt es wegzuwerfen.
Und noch etwas: Zwei durchgehende Fäden nehmen die Zugkraft gleichmäßig auf. Genau die Belastung, die ein Gürtel jeden Tag aushält, wenn du ihn schließt.
Eine Maschine schafft eine Naht in zwei Minuten. Ich brauche mehrere Stunden. Nur diese Naht hält — keine Maschine kann eine verschlungene Sattlernaht. Der Unterschied zeigt sich nicht im Laden, sondern erst über die Jahre.
Und er kommt früher, als man denkt. Eine Maschinennaht gibt oft schon nach zwei, drei Jahren nach. Dazu kommt, was darunter liegt: Häufig sind mehrere dünne Lagen zusammengeklebt, und nicht einmal aus gutem Leder. Bei mir ist es eine einzige, dicke Lage Vollnarbenleder — nichts geklebt, nichts kaschiert.
Was „handvernäht“ wirklich heißt
Diese Naht beherrschen nur noch wenige, und ich mache sie aus Überzeugung. Andere sind auf die Maschine umgestiegen — wegen Tempo, wegen der Marge, oder weil sie es schlicht nicht können. Ausbaden muss es am Ende der Kunde.
Wo eine Nähmaschine läuft, ist es keine Handnaht. Ehrlich wäre handgeführte Maschinennaht. Der Unterschied ist am fertigen Stück zu sehen, wenn man weiß, worauf man schauen muss — und genau das zeige ich dir hier. Spätestens am Produkt merkst du es selbst.
Das gilt bei mir nicht nur für Gürtel. Jedes Stück mit einer Naht — Wallets, Kartenetuis, Halstuchringe, alles — vernähe ich selbst im traditionellen Sattlerstich, mit hochfestem gewachstem Leinen- oder Polyestergarn.
So entsteht sie, Schritt für Schritt
Schritt 1 — Der Abstand
Zuerst schlage ich die Löcher mit dem Chisseleisen vor — einem Lochabstandseisen, das jeden Abstand exakt gleich hält. Von Hand gestochen wäre die Naht nie so ruhig. Anschließend weite ich jedes einzelne Loch mit der Stechahle auf, damit die Nadeln sauber hindurchgehen, ohne das Leder zu reißen.
Schritt 2 — Zwei Nadeln, ein Loch
Der Riemen kommt in den Nähkloben, dann geht es Stich für Stich. Beide Nadeln durch dasselbe Loch — eine von rechts, eine von links. Ziehe ich an, verschlingen sich die beiden Fäden mitten im Leder. Genau das ist der Stich, den keine Maschine kann.
Schritt 3 — Die fertige Naht
Gleichmäßig geneigte Stiche, sauber angezogen, die Enden verschmolzen. Danach werden die Kanten von Hand entgratet, gefärbt und poliert.
Die Farbe des Garns wählst du mit. In Hellbraun bleibt der Gürtel ruhig und klassisch. In Rot oder Grün wird die Naht selbst zum Motiv — und setzt die Punzierung erst richtig in Szene.
Kontrastnaht in Rot
Kontrastnaht in Grün
Rund 500 Stiche pro Gürtel, jeder von Hand. Wenn du meine High-Style-Modelle mit umlaufender Randnaht in die Hand nimmst, hältst du genau diese Stunden.
Manufaktur Rocca
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